Grieg, Bach und Passionslieder spielte das „Roihesse Brass“ Blechbläser-Quintett

10.04.2017
LEEHEIM
Kirstin Gründel

Auf besondere Weise stimmten sich die 34 Zuhörer des Blechblaskonzerts in der evangelischen Kirche am Samstagabend, dem Vorabend zu Palmsonntag, auf die Passionszeit ein. „Palmsonntag ist eigentlich ein Fest, an dem Jesus in Jerusalem eingezogen ist und das Volk ihm zugejubelt hat“, stellte Sieghard Werle, Vorsitzender des Kirchenvorstands bei der Begrüßung der Gäste fest. Von Leid, Trauer und Tod sei zu dem Zeitpunkt noch keine Spur gewesen. Doch gleichzeitig sei es die Einführung von Leid und Schmerz und somit ein Einstieg in die Passion, erklärte er.

Zu Beginn weltliche Musik

„Wir freuen uns, dass Sie sich heute auf den Weg gemacht haben, die Bläsermusik in der Kirche zu hören und sich auf die Passion einzulassen“, fügte er an. Zu Beginn des Konzerts spielte das fünfköpfige Ensemble „Rhoihesse Brass“ weltliche Musik. So ließ es gleich nach seinem Einzug in die Kirche zwei Sätze aus Johann Sebastian Bachs dritter Orchestersuite erklingen. Schon die ersten Töne erklangen kräftig und eindrucksvoll und erfüllten den gesamten Kirchenraum. Auch widmeten sich die Musiker dem norwegischen Komponisten Edvard Grieg und ließen sein Klanggedicht „Last Spring“ ertönen. „Darin beschreibt der Komponist das Wunder, das letzte Mal den Frühling auf Erden zu erleben“, erklärte ein Trompeter. In dem Stück beschwöre Grieg das Grün der Pflanzen, den Duft der Blumen, den Gesang der Nachtigall und die Melodie der Schalmei im Frühjahr.

Als eines der schönsten Stücke aus dem Notenbüchlein für Anna Magdalena Bach bezeichneten die fünf Musiker die Arie „Bist du bei mir“. Sie trugen das Stück rein instrumental mit viel Ruhe, fast Sanftheit vor, so dass sich manch ein Gast den Ariengesang vorgestellt haben dürfte.

Im zweiten Teil des knapp einstündigen Konzerts widmeten sich die Musiker Stücken, die die Passion zum Thema haben. Es sei nicht leicht, bekundeten sie, Passionsmusik für Blechbläser zu finden, schließlich hätten viel mehr Musiker Blechblasstücke für Weihnachten geschrieben. Mit „Die sieben Worte Jesu am Kreuz“ wagten sich die Musiker an ein geistliches Chorwerk von Heinrich Schütz. Die Texte der Arien und Chorstücke las Werle zwischen den einzelnen Musikstücken vor. Kernstück des Werks sind die sieben letzten Worte Jesu am Kreuz. Dabei bezieht sich der Komponist auf biblischen Prosatext und greift Worte wie „Mein Gott, warum hast du mich verlassen?“, „Es ist vollbracht“ und „Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände“ auf und setzt diese musikalisch um.

Mit dem Stück stimmten sich die Gäste auf die Passion ein. Um dem Charakter der Stücke gerecht zu werden, hatten die Musiker zuvor gebeten, dass sich das Publikum auch nach dem Verklingen der Musik leise verhalte und auf Klatschen verzichte. So konnten die Zuhörer den Klang der Musik mitnehmen und über die Passion nachdenken.

Das fünfköpfige Blechbläserensemble – bestehend aus den Trompetern Michael Botens und Barbara Reichenbächer, dem Hornisten Felix Holdenried, dem Posaunisten Axel Strauß und dem Tubisten Ulrich Görzel – spielte zum ersten Mal in Leeheim. Die Musiker, allesamt Hobbymusiker, haben jeder einen Teil ihres Lebens in Rheinhessen verbracht – daher stammt auch ihr Name –, vier von ihnen wohnen auch heute noch auf der anderen Rheinseite. Allein Görzel lebt derzeit in Dornheim und ist Leeheim über sein Spiel beim Posaunenchor der evangelischen Kirche verbunden.